Paolo ist seit fast drei Jahren bei uns als Coach im weiblichen Mini- und Jugendbereich tätig und ist maßgeblich an dem Aufbau neuer Strukturen im Verein beteiligt. Vor allem bei den Spielerinnen und Coaches ist Paolo mit seiner offenen Art beliebt und ist immer am Start, wenn Hilfe benötigt wird. Umso größer war die Freude, als Paolo mit der Anfrage des italienischen Damenteams um die Ecke kam, und lange zu überlegen gab es da nichts, sodass er nun seit gut einer Woche die WM aus einer ganz neuen Perspektive erlebt, die er mit uns teilen wollte. Wir haben Paolo vor der Frauen Basketball WM 2026 interviewt, um mit ihm über seinen Werdegang, und den Frauenbasketball in Deutschland und in Italien zu reden:

TuSLi: „Paolo, du bist als erfahrener Basketball-Experte zu uns gekommen – seit wann genau stehst du am Feldrand?“

Paolo: „Beruflich bin ich seit 2018 Basketball-Coach, aber die Leidenschaft dafür habe ich schon früher entwickelt.“

TuSLi: „Wann und wo hast du denn als Coach angefangen?“

Paolo: „Ich hab in der Saison 2001/2002 bei Paglieta Basket in Italien gespielt. Ich war 19 und spielte in der ersten Mannschaft. Der Coach musste bei einem Auswärtsspiel absagen und ich musste die Aufgabe übernehmen. Es war eine totale Katastrophe, aber zum ersten Mal musste ich das Spiel mit anderen Augen betrachten. Und ich fand das richtig cool!“

TuSLi: „Wie genau gestaltete sich dann dein Werdegang als Coach, bis dein Weg zu uns in den Verein führte?“

Paolo: „In Italien habe ich jahrelang bei zwei Top-Basketballclubs gearbeitet, allerdings im Management. In meiner Freizeit half ich jedoch in der Sporthalle und verkehrte mit den Coaches. Einer von ihnen gab mir einen Rat, den ich erstmal in der Schublade aufbewahrt habe. Nach dem Umzug nach Deutschland kam eine Tätigkeit in meiner ehemaligen Branche nicht infrage. Ich habe mich gefragt, wer ich wirklich werden will, und mir wurde klar, dass die Antwort in dieser Schublade lag. Ich habe in Schwerin klein angefangen, dann einen Verein mitgegründet und dort gecoacht, und am Ende waren es sechs unvergessliche Saisons. Der nächste Schritt führte mich nach Berlin.“

TuSLi: „Gibt es denn Unterschiede im Basketball in Italien zum Basketball hier in Deutschland?“

Paolo: „Unterschiede sehe ich vor allem in der Entwicklung des Spiels in der Vergangenheit. Bis Ende der 90er Jahre war Italien eine Schmiede taktischer Experimente, vor allem aufgrund der gegensätzlichen Einflüsse der USA und des ehemaligen Jugoslawiens. Deutschland verfolgte einen eher einheitlichen Kurs, wenn ich so sagen darf. Heute haben sich die Unterschiede etwas abgeschwächt.“

TuSLi: „Und Gemeinsamkeiten?“

Paolo: „Die Grundlagen werden heute in beiden Ländern zugunsten anderer Aspekte etwas vernachlässigt. Zudem werden die Kinder in den jüngeren Jahren (entscheidend für die Entwicklung der Spieler) oft Trainern anvertraut, die noch nicht ausgebildet sind oder über wenig pädagogische bzw. technische Erfahrung verfügen. Glücklicherweise gibt es aber in beiden Ländern lobenswerte Ausnahmen.“

TuSLi: „Vor gut einer Woche kam die Bestätigung, dass du Italien bei der Frauen Basketball WM 2026 unterstützen wirst – kannst du uns sagen, was genau deine Funktionen bei der WM sein werden?“

Paolo: „Ich werde die Verbindung zwischen Team, LOC und FIBA sein. Die Organisation von Dienstleistungen wie Fahrten, Wäscheservice usw. wird meine Hauptaufgabe sein, aber auch für alle Bedürfnisse und Anforderungen in Bezug auf Unterkunft, Verpflegung, Trainings- und Spielhallen sorgen. Und einfach jedes mögliche Unvorhergesehene bewältigen.“

TuSLi: „Unser Verein hat ja auch einige Spielerinnen hervorgebracht, die Deutschland bei dieser WM vertreten, aber auch einige, die in den U16‑U20-Nationalmannschaften spielen – wie bewertest du TuSLis Rolle und Einfluss auf den deutschen, aber auch internationalen Basketball?“

Paolo: „Ich antworte mit einer Anekdote. Als ich im italienischen Basketball tätig war, verfolgte ich jeden Sommer die verschiedenen Jugend-EMs. In den Spielprofilen der Natio-Teams schaute ich immer an, aus welchen Vereinen sie kamen. Schon damals war der Name von TuSLi ein Begriff.“

TuSLi: „Die Frauen-WM kam für viele, die nicht so in der Basketball-Bubble stecken wie wir, etwas überraschend, aber unser übergeordnetes Ziel ist ja immer, den deutschen Frauenbasketball bekannter zu machen. Was erhoffst du dir für eine Entwicklung für den Frauen- und Mädchenbasketball nach der WM 2026?“

Paolo: „Ich hoffe, dass alle Turnhallen sich nach dem WM-Ende mit der Energie und den Träumen unzähliger Mädchen füllen.“

TuSLi: „Schöne Worte zum Abschluss – wir haben uns aber noch gefragt, für wen du bist, sollte Italien auf Deutschland treffen?“

Paolo: „Du brauchst gar nicht zu fragen! Als Kind träumte ich (wie alle) davon, das Trikot meiner Nationalmannschaft zu tragen. Aber meinen italienisch-deutschen Kindern lasse ich die Wahlfreiheit, und ich sage schon, das ist eine große Anstrengung!“

TuSLi: „Wenn wir dann schon mit dem Thema abschließen – auf welches Team tippst du – wer holt den WM-Titel?“

Paolo: „Ich hätte auf Kanada getippt, aber das Team hat sich nicht qualifiziert. Das sagt viel über meine Fähigkeiten als Tippgeber aus! Auf die USA zu setzen, ist ja abgedroschen. Der Kampf um die Medaillen steht vielen Teams offen, da lasse ich gerne die Finger weg.“

Zum Zeitpunkt des Interviews konnte niemand absehen, wie sich das Turnier sowohl für die deutschen Frauen, als auch für die italienische Nationalmannschaft entwickeln würde. Umso spannender ist es: Deutschland hat sich gestern für das Viertelfinale qualifiziert und damit erneut Geschichte geschrieben und Italien ist heute dran: Um 20:45 Uhr trifft das Team auf Australien und für wen wir sind, sollte nun kein Geheimnis mehr sein…

Zum Schluss hat Paolo uns noch um eins gebeten: Er bedankt sich ganz herzlich bei seinen Coaching-Kolleginnen und dem Verein, dass er kurz vor dem Saisonstart dieses Angebot annehmen konnte, und freut sich sicherlich schon riesig, wenn es dann auch bei uns wieder losgeht!